Nachträgliches Abdichten
Nachträgliches Abdichten

Das Patentrezept gegen Zugluft, Straßenlärm und beschlagene Scheiben

Bei bislang dichtungslose Fenstern und Türen führt kein Weg vorbei an der eingefrästen Silikon- Schlauchdichtung. Dem Allroundtalent unter den Dichtungen, auch als zweite Dichtungsebene oder bei stark verzogenen Türen und Fenstern. Zum Artikel

Gern benutzt und selten sinnvoll - Klebedichtungen

Klebedichtungen, ganz gleich aus welchem Material, sind keine Alternative zu eingefrästen Dichtungen. Zum Artikel

Mein Favorit - die Silikonschlauchdichtung zum Einfräsen

Einfräsen - d.h. es wird eine Nut in den Fensterstock oder den Fensterflügel gefräst, in die dann der Fuß der Dichtung eingezogen wird. Das Verfahren kann auch für Türen angewendet werden, ich bevorzuge aber die weiter unten genannte Lösung. Die Vorteile eingefräster Dichtungen:

  • zum Lackieren können Sie die Dichtung einfach herausnehmen oder auch austauschen. Zudem trägt nur der sehr dünnwandige Schlauch auf. Ein Klebefuß (auch erhältlich) kostet wieder einen Millimeter extra in der eh' nicht großen Fuge zwischen Fensterflügel und Stock.
  • Silikon bleibt auch bei Minusgraden noch geschmeidig - gerade dann soll ja eine Dichtung funktionieren. Zudem ist Silikon leicht zu reinigen und reagiert nicht so sensibel auf Lacke. Versehentliche Lackspuren lassen sich in der Regel leicht entfernen und die Nachbarschaft zu frischem Lack führt nicht zu Versprödung.
  • Der Schlauch gewährleistet, wie alle geschlossenen Hohlkammerprofile einen maximalen Rückstelleffekt. Lippendichtung machen da - auch weil sie i.d.R. aus Gummi sind  - viel früher schlapp.

Wir gehen diese Arbeit sehr penibel an. Die Falzluft messen wir, indem wir kleine Plastilinkugeln in den Falz drücken und dann die Flügel schließen. So ist gewährleistet, dass immer der richtige Dichtungsdurchmesser gewählt wird.

Bei Haus-, Balkon-, Schiebe- und Hebetüren bevorzugen wir Dichtleisten mit eingefrästen Dichtungen, wie auf dem Banner- Bild abgebildet. Diese können wir in den verschiedensten Holzarten und Profilen herstellen und passend zum Bestand lackieren oder lasieren. Durch die von außen gegen die Flügel gesetzten Leisten ist der Schließwiderstand trotz sehr guten Anpressdrucks erheblich geringer. Dichtleisten setzen wir auch immer dann ein, wenn kein Falz vorhanden ist. (Bisweilen bei alten Kastenfenstern an den Unterkanten der Innenflügel.)

Die molligen Klebedichtungen

Ich möchte Ihnen erklären, warum ich dies Dichtungen nicht empfehlen kann:

Fall 1 - Mein Holzfenster hat noch keine Dichtungen und ist verzogen (windschief)

Wenn das so ist, dann gibt es spitz auslaufende Fugen, also irgendwo liegt das Fenster an, an anderer Stelle steht es bspw. 4 mm ab. Was bringt es da, eine 2 mm dicke mollige Dichtung anzubringen? Nichts. Dort, wo der Flügel anliegt, müsste die Dichtung sich auf 0 mm komprimieren lassen. Das schaffen Sie aber nur mit dem Fingernagel, nicht aber über eine Länge von 20 cm. Folglich steht der Flügel nun dort, wo er eigentlich anlag, um 1,5 mm ab und Sie tun sich noch schwerer das Fenster zu schließen. Und dort, wo der Flügel um 5 mm abstand, steht er nun gleich 6,5mm ab.
Die einzige Dichtung, die hier sinnvoll ist, ist eine eingefräste Schlauchdichtung, am besten aus Silikon, da dünnwandiger und haltbarer als "Gummi"-Dichtungen, die, weil voller flüchtiger Weichmacher, mit der Zeit verspröden.

Fall 2 - Mein Holz- oder Kunststofffenster hat bereits werkseitig Dichtungen und ist verzogen

Dann handelt es sich in der Regel um eines mit Isolierverglasung und ziemlich vielen Verriegelungspunkten seitlich, oben und evtl. unten. Hier sollte man nicht mit einer zusätzlichen Dichtung wieder alles gut machen wollen, sondern Ursachenforschung betreiben. Meist ist ein Schließblech (das sind die Metallstücke im Fensterstock) ausgebrochen oder abgeschliffen, weil der Flügel sich abgesenkt hat - ein ziemlich normales Phänomen - dem der Beschlaghersteller mit diversen Verstellmöglichkeiten begegnet, die Sie als Laie aber u.U. garnicht so leicht finden.
Die Flügel sind dann im Wortsinn verzogen, weil sie an einem oder mehreren Punkten nicht mehr so anliegen mussten, wie sie sollten. Da hilft nur sorgfältiges und vorsichtiges Ausrichten des Flügels und der Austausch der beschädigten Schließbleche. Mit der Zeit "gewöhnt" sich der Fensterrahmen wieder an seine neue Position und läßt sich wieder ohne zusätzlichen Kraftaufwand schließen.
Nur ganz, ganz selten, wenn der Flügel stark verzogen ist, lohnt hier das nachträgliche Einfräsen einer Silikonschlauchdichtung.