Ihre Sorgen mit Tür & Fenster
Ihre Sorgen mit Tür & Fenster

Das Glas ist blind

Sie haben Isolierglas und zwischen den Scheiben hat sich eine milchige Schicht gebildet und im Winter beschlagen die Gläser "innen drin"?

  • dann hat die Verglasung ihr Lebensende erreicht.
  • Die Luft oder das Edelgas zwischen den Scheiben ist soll luftdicht eingeschlossen sein. Löst sich die Verklebung der Gläser, so beginnen diese zu "atmen".  Nachts kühlt die Luft im Scheibenzwischenraum ab, zieht sich zusammen und (feuchte) Außenluft an, tags erwärmt sich diese Luft und entweicht aus dem Scheibenzwischenraum.
  • Von den angebotenem Verfahren, ein Loch in die Scheiben zu bohren und diese auszuspülen, halte ich rein garnichts. Hinterher hat Ihr Isolierglas einen k-Wert von > 3,5, d denn mit Gas wird nicht wieder aufgefüllt - und die eigentlichen Lecks in der Verklebung bestehen weiter.

Die Scheiben beschlagen auf den Innenseiten

...und ich kann den Beschlag, das Tauwasser wegwischen. Hier bewegen wir uns in einem Bereich voller Unwägbarkeiten. Wenn Sie Schwitzwasser auf den Gläsern haben - nicht nur ein paar Mal im Jahr, sondern eigentlich während der gesamten kalten Jahreszeit, kann die folgende Liste kann Ihnen einige Anhaltspunkte für die Ursachenforschung bieten.

  • Als erstes besorgen Sie sich ein kombiniertes Thermo- und Hydrometer, damit Sie die Luftfeuchtigkeit messen können. Ohne dieses Hilfsmittel bewegen Sie sich immer im Bereich der Spekulation. Es gibt solche Geräte mit Warnfunktion für Schimmelbefall. Dieser geht auch recht oft mit Schwitzwasser auf den Gläsern einher.
  • Beschlag, der sich U-förmig an den unteren Randbereichen von Isolierverglasungen bildet, hat seine Ursache in den nicht thermisch trennenden Alu-Stegen zwischen den Gläsern. Abhilfe schafft hiernur der Austausch gegen Isolierglas mit sog. "Warmer Kante".
  • Beschlagen die Scheiben hingegen großflächig, ist
    • entweder der Dämmwert der Verglasung gering (sehr wahrscheinlich bei Isolierglas, das vor ca. 2005 eingebaut wurde)
    • oder das Fenster liegt weit entfernt vom nächsten Heizkörper
    • oder hinten dicken Vorhängen
    • der Raum ist schlecht belüftet
    • oder kaum beheizt
    • oder wird über andere Räume mit geheizt (Niemals machen - wenn Sie ein kühles Schlafzimmer haben wollen, dann lassen sie auch tags die Zimmertüre zu und heizen alle paar Tage ordentlich ein und lüften hinterher durch, um die Feuchtigkeit aus Wäsche und Wänden heraus zu bekommen!)

Mehr zum richtigen Lüften finden sie hier.

Beschlagene Scheiben bei Altbaufenstern

Hier sind zumeist die Innenseiten der äußeren Gläser beschlagen. Bei dichtungslosen Fenstern geschieht das meist in den oberen Stockwerken, während im Erdgeschoss das Phänomen meist nur in Küche und Bad auftritt.

Grund hierfür ist, das im Erdgeschoss kalte und deswegen auch trockenere Luft eindringt. Diese kann nicht am Glas kondensieren, da der Taupunkt nicht erreicht wird.
In den oberen Etagen drängt aber wegen des Kamineffekts warme und mit Feuchtigkeit beladene Raumlauft nach draußen. Spätestens an der Außenscheibe ist der Taupunkt erreicht, die Raumluft kondensiert auf den Glasflächen (oder auch am angrenzenden Mauerwerk, was man erst merkt, wenn sich Schimmel bildet).

Abhilfe schafft hier nur das nachträgliche Abdichten der inneren Fensterflügel, vorzugsweise mit Silikonschlauchdichtungen.

Was Luftfeuchte und Temperatur mit beschlagenen Scheiben zu tun haben

Ich muss meinen Kunden und deren Mietern immer wieder im Zusammenhang mit beschlagenen Scheiben und Schimmelbefall die Ursachen erklären. Da das ein wenig verzwickt ist, versuche ich es hier in kleinen nachvollziehbaren Schritten:

  1. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Wasser kann sie enthalten.
  2. Darum spricht man von relativer Luftfeuchtigkeit, also Luftfeuchtigkeit, bezogen auf eine bestimmte Temperatur.
  3. Wenn die Luft abkühlt, kann sie nicht mehr so viel Wasser enthalten.
  4. Die Fensterscheiben sind besonders im Winter immer kälter als die Raumluft.
  5. Die Raumluft kühlt am Glas ab und muss "Wasser lassen".
  6. Je feuchter die Raumluft, desto geringer kann der Unterschied zwischen Raum- und Scheibentemperatur sein, um zu Beschlag zu führen.

Das veranschaulicht die folgende Tabelle. Die Werte entnommen habe ich dem Feuchterechner von Vaisala, den Sie im Internet herunterladen können.

    Raumtemperatur
    16 °C 18 °C 20°C 22 °C 24 °C

Relative
Luft- feuchtig-
keit

40%
2,4 4,2 6,0 7,8 *
9,6
45%
4,0 5,9 7,7 9,5 11,3
50%
5,6 7,4 9,3 11,1 12,9
55%
7,0 8,8 10,7 12,6 14,4
60%
8,2 10,1 12,0 13,9 15,8
65%
9,4 11,3 13,2 15,1 17,0
70%
10,5 12,5 14,4 16,3 18,2
80%
12,6 14,5 16,4 18,4 **
20,3
90%
14,4 16,3 18,3 20,3 22,3
    Oberflächen- oder Glastemperatur in °C, bei der sich Tauwasser bildet, also die Scheiben beschlagen.

Betrachten wir die Tabelle in der Spalte Raumtemperatur 22 °C, so wird folgendes klar:

  1. Je trockener die Raumluft, desto größer ist der Abstand zwischen Luft- und Oberflächentemperatur, bei der Beschlag beginnt. ( * Bei 22 °C und einer Luftfeuchte von 40% liegt die Temperaturdifferenz bei 14,2 °C.)
  2. Je feuchter die Raumluft, desto kleiner ist der Abstand zwischen Luft- und Oberflächentemperatur, bei der Beschlag beginnt. ( ** Bei 22 °C und einer Luftfeuchte von 80% liegt die Temperaturdifferenz nur noch bei 3,6 °C.)

Die Preisfrage ist nun: Wie kalt werden meine Scheiben? Hier hilft eine nicht ganz leicht  verständliche Tabelle weiter, die die Firma Sanco® in Ihrer Broschüre "Kondensation bei Isolierglas" veröffentlicht hat. Aus dieser möchte ich nur zwei Punkte nennen, die den Einfluss des Dämmwertes von Isolierglas auf die Scheibentemperatur und den Taupunkt veranschaulichen:

  1. Bei einer Raumfeuchte von 60% und und einer Raumtemperatur von 20 °C dürfte die Außentemperatur auf -38 °C fallen, bis sich Beschlag bildet, wenn das Glas einen "K-Wert" von 1,2 hat. Das ist das markierte Beispiel in der Tabelle.
  2. Bei gleicher Raumtemperatur und -feuchte, aber einem Isolierglas mit einem K-Wert von 3,0 wäre der Taupunkt bereits bei einer Außentemperatur von ca. -5 °C erreicht!

© 2012  CARSTEN DÜRKSEN HOLZ & BAUTENSCHUTZ WWW.DUERKSEN.DE

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