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Bei diesem Thema kann ich mich leider nicht kurzfassen. Als ich Schreiner lernte, wollte ich möglichst mit natürlichen Materialien arbeiten. Bereits im Berufsgrundschuljahr hielt ich ein Referat über Leinölprodukte – Livos, Auro etc.
2010 waren meine Mitarbeiter und ich auf der denkmal in Leipzig. Ein Themenschwerpunkt war damals die Verwendung von Leinölfarben. Im Grunde einer uralter Hut – alle Fenster bis in die 1920er Jahre wurden so lackiert, erst dann machten sich Kunstharzlacke breit – wohl vor allem, weil sie den unbestreitbaren Vorteil kürzerer Trockenzeiten haben.
Leider liegen Kunstharz- aber auch wasserbasierte Lacke nur auf dem Holz. Sie bilden eine Kunststoffschicht, die, solange sie intakt ist, das Holz vor eindringender Nässe schützen. Sobald aber auch nur ein kleiner Riss in dieser Oberfläche ist, kann das darunter liegende Holz Wasser aufnehmen, in der Folge aufquellen und dadurch die feinen Risse vergrößern, was wiederum zu noch feuchterem Holz führt. Nun geht dummerweise das Wasser zwar gerne in das Holz, verlässt es aber nur sehr widerwillig. In der Folge bilden sich im Holz (unter der immer noch sehr ansehnlichen Lackschicht) Feuchtenester und irgendwann entdecken Pilzsporen das feuchte Holz als Nährboden, bilden Fruchtkörper und verspeisen es. Die Konsequenz heißt morsches Holz.
Leinölfarben sind hier der Gegenentwurf – quasi „slowfood“ für beanspruchte Oberflächen. Sie trocknen langsam – zwei Tage mindestens pro Auftrag – und gründen im Holz. Grundiert wird mit Leinölfirnis, das tief in das Holz einzieht. Die folgenden Aufträge bestehen auch nur aus pigmentierten Leinöl, die sich mit den jeweils darunter liegenden Schichten vernetzen.
Sie sehen, am Ende haben Sie eine Oberfläche, die im Holz wurzelt, es imprägniert und bedeckt. Renovierungsanstrichen im herkömmlichen Sinne sind überflüssig – wenn die Oberfläche matt wird, reicht zumeist ein Auffrischen mit Leinöl – ohne Anschleifen! Mehr zum Thema finden Sie auf dem sehr informativen Webseiten der Kreidezeit Naturfarben GmbH.
Ein weiterer Vorteil, gerade bei Altbaufenstern: der meist ebenfalls erneuerte (Leinöl-) Kitt kann bereits nach kurzer Zeit überstrichen werden – bei konventionellen Lacken sind drei bis vier Wochen Wartezeit Pflicht.
Letztlich ist der entscheidende Haken bei der Sache nur die Arbeit an Ihren Fenster- und Türstöcken. Diese müssen vor Ort bearbeitet werden, Schicht für Schicht, mit entsprechenden Trockenzeiten und Anfahrten für die einzelnen Anstriche. Die Fensterflügel nehmen wir mit in die Werkstatt, dort geht das Trocknen recht flott voran in einer beheizbaren Trockenkammer.
Das Ergebnis ist eine seidig glänzende feine Oberfläche, die die Holzstruktur mehr als nur erahnen läßt. In meinen Augen die optimale Symbiose zweier Naturprodukte.